Von fakultativen Karnivoren....

Wer kennt es nicht, die Diskussion? „Früher haben die Hunde halt bekommen, was übrig war“. „Meine Katze würde niemals freiwillig Gemüse essen.“ „Mein Hund isst am liebsten Dosen-Trocken-Roh gemischt.“ Doch was hat es denn mit dem Mythos vom vermeintlichen Allesfresser Hund auf sich? Und können Katzen auch Nudeln essen? Und was heißt das für die Ernährung unserer Katzen und Hunde?

Schon im „praktischen Hundebuch“ von 1972 lässt sich lesen:

„Der Hund ist seiner Herkunft nach ein Raubtier und somit ein Fleischfresser. Sein Verdauungssystem ist vorwiegend auf Fleischnahrung eingestellt, sein Gebiß [sic!] ist ein Raubtiergebiß, das zum Reißen und Schlingen, nicht aber zum Kauen und Zermahlen geschaffen ist. Da unser Hausgenosse einen relativ großen Magen, intensiv wirkende Magensäfte und einen sehr kurzen Darm hat, nutzt er alle Nahrungsmittel auch anders aus als wir Menschen, und darauf sollte man sich bei der Fütterung einstellen.“ (201)

Claudia Persson, Köln 1972.

Die Zähne, bei Katzen übrigens auch, und der Rest des Verdauungsapparats weisen also darauf hin, was gefuttert werden soll. Ist ja auch kein Wunder, die Barten eines Wals dienen ja auch dem Plankton-aus-dem-Wasser-Filtern und die ewig wachsenden Zähne bei Hasen hängen mit deren ständiger Nahrungszufuhr zusammen. Übrigens liegt auch hier Beruhigung für alle „Hilfe mein Hund schlingt“-Vertreter*innen – das muss so! Malmen und Vorverdauen mit Speichel etc. ist was typisch menschliches, das auf unsere Lieblinge zu projizieren übrigens auch 🙂 Also keine Sorge, ein Napf der in 12,8 Sekunden geleert ist, macht dem Fleischfresser nix aus.

Auch nach den Zähnen geht es bei Hund und Katze präferabel fleischig weiter: So liegt der PH Wert im Katzenmagen zwischen 1 und 2, also recht sauer, was die Verdauungsenzyme die die Eiweiße verwerten sollen toll finden. Darin liegt auch das Geheimnis der unproblematischen Rohfütterung – die sicherlich nicht sterilen Futterquellen treffen im Magen auf sehr viel mehr Salzsäure als in unseren empfindlichen Menschenmägen (ca. 10 mal so viel) und es „gibt noch kein Bakterium, welches einen pH-Wert von unter drei überlebt.“ (Fahrenkrog S. 81) Der relativ kurze Darm ist bei Fleischfressern nur halb so lang wie bei Allesfressern, wie z.B. uns Menschen (im Verhältnis zur Körpergröße), das heißt die Nahrung wandert recht schnell hindurch und die Verdauung ist darauf spezialisiert Fette und Proteine zu verdauen.

 

Bild von Fredrik Ohlander.

Hunde sind also Karnivoren – Fleischfresser – die ja wie allgemein bekannt ist vom Wolf abstammen und sie sind, was die Verdauung und alle anderen Organe etc. angeht, immer noch ihren wilden Vorfahren verhaftet, auch wenn die ein oder andere nicht danach ausschaut 😉 Sie sind vorwiegende Fleischfresser, Beutetierfresser die auch mal eine Beere vertragen, oder ein paar Tage ohne Beutetier(ersatz) aushalten und somit sind sie sogenannte fakultative Karnivoren – also „nicht zwingend“ Fleischfresser. Katzen hingegen nennt man „obligate Karnivoren“, also zwingend Fleischfresser, die sich auch nicht mal kurzfristig ohne tierische Nahrung ernähren können. Ich verwende am liebsten die Unterscheidung strikter und nicht-strikter Fleischfresser, wie man es nennt ist aber nicht so wichtig: Keiner von beiden ist ein Allesfresser!

(für die Erklärung der lateinischen Begriffe und warum Hunde keine Schweine sind siehe hier, übrigens sind Hunde und Katzen, wenn man nun gaaaaaanz genau ist, sowohl Carnivora als auch Carnivore - ersteres bezeichnet Raubtiere und letzteres Fleischfresser )

Noch ein letztes Wort zum Thema Getreide: Beide, Hund und Wolf, können einen gewissen Anteil pflanzlicher Nahrung gut verwerten, ziehen sich sogar sinnvolle Inhaltsstoffe aus Früchten und Gemüse. Dieses Argument scheitert allerdings bei der Fütterung von Getreide, dass zwar auch dem Hund wie uns auch Kohlehydrate liefert, nur mit dem großen Unterschied, dass dieser diese so schlicht nicht braucht (wer diverse veterinär-medizinische Quellen gut leserlich zusammengefasst haben möchte, ist hier gut aufgehoben). Und nur weil Hunde theoretisch ein paar Kohlehydrate verdauen können, heißt das noch lange nicht, dass das artgerecht ist – und genau um artgerechte Fütterung geht es uns ja, wenn wir die Nahrung selbst zubereiten.

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